Der Unterschied zwischen Steingut- und Steinzeugfliesen

Keramik besteht größtenteils aus gebranntem Ton. Das gilt für Sanitärkeramik, Dachziegel oder Klinkersteine ebenso wie für Keramikfliesen. Die Unterschiede der diversen Tonprodukte ergeben sich aus den Details der Rezeptur, aus der unterschiedlichen Aufbereitung der Rohstoffe und nicht zuletzt aus der Brenntemperatur. Fliesen zählen zu den feinkeramischen Produkten, ihre Rohstoffe werden feiner gemahlen als es bei grobkeramischen Produkten wie etwa Klinkerpflaster der Fall ist. Aber auch innerhalb der Gruppe der Fliesen gibt es verschiedene Materialien. Insbesondere unterscheidet man zwischen Steingut- und Steinzeugfliesen.

Das relativ poröse Material Steingut wird vor allem für Wandfliesen in Innenräumen verwendet. Das Material Steingut wird vor allem für Wandfliesen in Innenräumen verwendet. Der gebrannte Scherben, so nennen Fachmann/-frau das gebrannte Gemisch, das für die Herstellung von Keramik notwendig ist, ist nicht etwa rotbraun wie Ton, sondern von heller, fast weißer Farbe. Das liegt an der Rezeptur: Steingut enthält neben Ton und Zusatzstoffen wie Quarz und Feldspat auch Kaolin (Porzellanerde). Dieser relativ teure Zusatzstoff ist für die Aufhellung des Materials verantwortlich. Es gibt auch preisgünstige Keramikfliesen ohne Kaolin. Sie werden als „Irdengut“ bezeichnet und sind dann von rotbrauner Farbe. Dies geht aber nicht einher mit einer verminderten Qualität. Im Gegenteil – auf rotem Scherben wirken durch die Dicke der Glasuren Farben weitaus brillianter!

Steingut

Steingut wird bei weniger als 1.100°C gebrannt und damit bei einer Temperatur unterhalb der so genannten Sinterungsgrenze. Deshalb kommt es beim Brennprozess nicht zum vollständigen Schmelzen (Sintern) der Rohstoffe, sodass ein poröser Scherben mit vielen Luftporen entsteht. Man kann das Material daher relativ einfach schneiden, brechen oder Löcher hineinbohren. Dafür ist es an

dererseits nicht besonders hoch belastbar. Steingut wird deshalb nur selten im Bodenbereich verwendet. Wenn überhaupt, dann in mäßig belasteten Bereichen und unter Verwendung relativ dicker Fliesen.

Aufgrund ihrer Porigkeit können Steingutfliesen bis zu 15 Gewichts-Prozent Wasser aufnehmen. Sie sind daher nicht frostbeständig und nur für Innenräume geeignet. Aber auch in Bad, WC oder Küche kommt grundsätzlich nur glasiertes Steingut zum Einsatz. Erst durch diese Behandlung der Fliesen wird deren Oberfläche wasserdicht sowie resistent gegenüber Säuren, Flecken und Schmutz. Die Glasur erleichtert zudem die Pflege der Fliesen.
Die Rückseite des Steinguts bleibt unglasiert. Ihre raue, porige Oberfläche hat auch ihre Vorteile. Sie ermöglicht eine kräftige Verzahnung zwischen Fliese und Ansetzmörtel, wodurch Steingut besonders gut an der Wand haftet.

Steinzeug

Steinzeug wird bei 1.150 bis 1.300°C gebrannt. Wegen der nahezu vollständigen Sinterung besitzt Steinzeug eine höhere Festigkeit und eine geringere Porosität als Steingut – es ist frostsicher und abriebfest, seine Wasseraufnahmekapazität liegt zwischen 0,5 und 3%. Durch Zugabe von Flussspat und anderen Flussmitteln kann die Porosität des Scherbens verringert werden.

Steinzeugfliesen  werden im Innen- wie im Außenbereich, typischerweise als Bodenbelag  aber auch an der Wand eingesetzt. Spezielle Vorzüge sind ihre hohe Maßgenauigkeit, ihre mechanischen Festigkeit sowie ein breites Angebot an Farben, Designs und Oberflächen. Das Material wird sowohl in glasierter als auch in unglasierten Fliesen angeboten.

Feinsteinzeug

Im Unterschied zur Namensvermutung handelt es sich bei Feinsteinzeug nicht um Fliesen und Platten aus besonders fein gemahlenen Rohstoffen, sondern um Steinzeugfliesen mit besonders niedriger Wasseraufnahme von unter 0,5%. Sie werden unter hohem Druck gepresst und bei bis zu 1.300°C im Rollenofen gebrannt, weshalb sie über einen besonders dichten Scherbenverfügen. Da der zugesetzte Rohstoff Feldspat einen verhältnismäßig niedrigen Schmelzpunkt aufweist, kommt es beim Brennen zu einer nahezu vollständigen Sinterung ohne offene Poren – zumindest in der oberen Sinterschicht. Wegen ihrer technischen Eigenschaften, zu denen auch die Frostfestigkeit gehört, eignet sich Feinsteinzeug für nahezu sämtliche Anwendungen im Innen- wie im Außenbereich, egal ob als Boden-, Wand- ,Treppenbelag oder als Fassadenverkleidung.

Für Bodenbeläge oder Fassadenmaterialien, die im Außenbereich eingesetzt werden, ist in unseren klimatischen Verhältnissen die Frostsicherheit (nach Norm Frostbeständigkeit genannt) von großer Wichtigkeit. Hierbei macht vor allem ein häufiger Frost-Tau-Wechsel dem Material bzw. seinem Untergrund zu schaffen. Deshalb erfolgt die Prüfung keramischer Fliesen und Platten mit Hilfe eines Frost-Tau-Wechsels, d.h. 50 Mal werden die Materialien einer Temperaturschwankung von -15 bis +15 Grad Celsius ausgesetzt. Überstehen die Fliesen eine derartige Beanspruchung, so gelten sie als „frostbeständig“.

Zur Ausführung von Untergrundkonstruktionen im Außenbereich ist es wichtig, Niederschläge, die in die Konstruktion über Risse in den Fugen oder anderweitig eingedrungen sind, möglichst schnell abzuleiten. Am Markt werden heute eine Vielzahl verschiedener Systeme angeboten, die eine rasche Ableitung dieser Niederschläge ermöglichen. Es handelt sich dabei entweder um Tragschichten mit einer hohen Wasserdurchlässigkeit oder um Dränagen, die unterhalb der Lastverteilungsschicht angeordnet sind.